das „pop album“

20 Sep

popneuester trend in der aufregenden welt der musik promotion: das pop album. egal welchem genre ein neues album, das auf meinem tisch landet, auch zugeordnet werden kann, man kann sich sicher sein, dass es im beigepackten promozettel als das „pop album“ der band gefeiert wird. und da ist es wirklich egal, ob das nun von einer experimentellen kalifornischen post-rock band kommt oder – vielleicht etwas naheliegender – von einer indierock gruppe aus skandinavien. hauptsache pop!

das wort „pop“ an sich scheint ja generall in der schreibe über musik eine gewisse renaissance zu feiern. war der pop jahrelang ja ausschließlich als eine im mainstream angesiedelte pfui-pfui sache verschrien, besinnt man sich nun doch wieder zurück auf die ursprüngliche verwendung des begriffes. ich möchte fast sagen, man hat dem begriff inzwischen sogar mehr credibility zugedacht, als ihm eigentlich zusteht. macht heutzutage jemand eine „pop“ platte, ist das gleich bedeutend mit: man orientiert sich etwas mehr an den hörgewohnheiten des publikums, man traut sich in der referenzschublade der 80er zu wühlen, man klaut sich ein paar weisheiten vom modernen r&b (auch gerade sehr angesagt), man schielt ein wenig auf den dancefloor. plötzlich geniert sich keiner mehr, dem gleichen genre wie eine britney spears anzugehören. denn hey, pop kann ja nichts schlechtes sein, wenn man sogar die talking heads so nennt!

wohlgemerkt war dem allerdings nicht immer so: vor einigen jahren, vielleicht auch schon vor mehr als einem jahrzehnt, hätte man sich noch gehütet, die talking heads mit dem beriff pop in verbindung zu bringen. maximal in verbindung mit dem kleinen wörtchen „art“ hätte sich das jemand getraut. aber heute, ach heute freut sich jede ernstzunehmende band doch, wenn man ihr die nähe zum pop unterstellt.

dennoch sicherlich nur ein vorrübergehender trend. schließlich ist recycling angesagter denn je, wenn auch nicht mehr ganz so offensichtlich „wir-übernehmen-den-rock-sound-der-gang-of-four“ mäßig wie noch anfang der nullerjahre. inzwischen wurschtelt man sich ja doch durch sämtliche jahrzehnte und stile und genau das ist das, was „pop“ heute eigentlich ist. das recycling von alle dem, was in den letzten 50, 60 jahren passiert ist. damals, als pop noch kein schlechtes wort war und r&b noch meilenweit von dem entfernt, was es jetzt bedeutet.

heftet sich also heute jemand das wort „pop“ selbst an die brust, will er damit eigentlich nur zeigen, dass man sich mit der musik vergangener jahrzehnte auseinandergesetzt hat, dass man weiß, was in der aktuellen musikproduktion gerade angesagt ist (die 80er, wie immer halt), dass man das wort „pop“ jetzt – endlich – ironie frei (dank an die postpostmoderne) benutzen kann und: dass pop nun einfach halt einmal alles sein kann, was man denn als solchen bezeichnen will. schließlich gibt es kaum einen begrif in der musik, der eigentlich so sinnleer ist wie pop. mag man musikwissenschaftlich damit vielleicht tatsächlich noch ein bestimmtes genre bezeichnen, denkt dabei heute im praktischen sprachgebrauch ja niemand mehr. es klingt halt gerade irgendwie fancy, sich pop zu nennen. keine angst vor dem leicht mainstreamingen nachgeschmack des wortes zu haben. wir stehen da ja sowas von drüber.

pop ist eine leere hülle, die beliebig mit bedeutung gefüllt werden kann. wo wir wieder bei der postpostmoderne wären. und jetzt genug. ich geh jetzt die talking heads hören.

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6 Antworten to “das „pop album“”

  1. gitti 20/09/2009 um 8:54 pm #

    folgt daraus, dass du britney und justin jetzt ganz unironisch gut finden darfst? 😉

  2. auchsuperwichtig 20/09/2009 um 9:17 pm #

    auweia, nein, ich wollte damit nicht meine schwäche rechtfertigen. Dazu steh ich sowieso ganz ironiefrei, ich find den justin wirklich supergut.
    Ich wundere mich lediglich über das plötzliche kokettieren mit dem (begriff) pop. Vielleicht führ ich das noch anderwertig aus.

  3. gitti 20/09/2009 um 9:32 pm #

    das ist der kapitalismus, meine liebe. der kapitalismus!

  4. auchsuperwichtig 21/09/2009 um 7:37 am #

    aber den gibts ja schon ein paar jährchen…

  5. gitti 21/09/2009 um 10:08 pm #

    aber der braucht doch immer was neues!

    • auchsuperwichtig 22/09/2009 um 11:47 am #

      du hast immer so recht.

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